Menschen Leben im Bocholter Stadtwaldlager (27.05.2021-12.09.2021)

 

 

Ausstellungsplakat Version 2

 

Das Bocholter Stadtwaldlager ist ein Ort mit einer wechselvollen Geschichte. Errichtet im Jahr 1935 diente es zunächst der sogenannten Österreichischen Legion und bis zum Kriegsende auch als Kriegsgefangenenlager der deutschen Wehrmacht.

Nach 1945 wurde das Lager zunächst als Außenstelle Bocholter St. Agnes Hospitals und zur Unterbringung sogenannter sowjetischer „Fremdarbeiter“ genutzt, bevor es am 30. März desselben Jahres durch britische Truppen eingenommen wurde.

Diese nutzen den Lagerkomplex mit seinen bestehenden Strukturen ebenfalls für die Unterbringung von Kriegsgefangenen. Nun aber vorrangig für Angehörige der deutschen Wehrmacht.

Zwei Jahre nach Kriegsende wurde das Bocholter Stadtwaldlager im Zuge der „Operation Grand National“ als Standort für ein Palestine-Transit-Camp ausgewählt. Von nun an sollten ausreisewillige Juden aus den ehemaligen Konzentrationslagern auf ihren Transit in das Mandatsgebiet Palästina vorbereitet werden.

Bis ins Jahr 1956 hinein fanden im Lager immer wieder verschiedenste Flüchtlinge und Vertriebene Unterkunft. Im Jahr 1959 wurde das Gelände von der Bundeswehr übernommen. Die alten Lagerstrukturen verfielen mit den Jahren immer stärker, sodass sie Anfang der 1980er Jahre schlussendlich abgerissen wurden. Heute sind auf dem Gelände des ehemaligen Lagers nur noch wenige Spuren erkennbar.

Knapp 26 Jahre später begann die Bundeswehr damit, das Gelände zu veräußern. Die frei gewordenen Flächen konnten durch die Stadt Bocholt übernommen werden. Dadurch konnte das Freizeitgelände Stadtwald stetig erweitert werden.

Bis heute dient der Stadtwald als Naherholungsgebiet. Neben dem Erholungs- und Naturerlebnis wird an vielen Stellen auf dem Gelände an die Historie erinnert. Vor allem das Gedenken an die Opfer totalitärer Gewalt und die Aufarbeitung der Lagergeschichte stehen weiterhin im Vordergrund der wissenschaftlichen Auseinandersetzung. Neben der Errichtung eines Denkmals und Informationsstehlen auf dem Lagergelände selbst, haben in den letzten Jahrzehnten vielfältige Ausstellungen, Informationsveranstaltungen und Buchprojekte die Aufarbeitung der Geschichte des Bocholter Stadtwaldlagers stetig vorangetrieben.

Mit der aktuellen Sonderausstellung [Menschen] Leben im Bocholter Stadtwaldlager wird der Fokus nun auf einen Themenkomplex gelegt, der in der bisherigen Betrachtung zwar stets präsent war, jedoch noch nie in diesem Maße im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand.  Ausschlaggebend für diese Themensetzung ist die Übergabe von Bodenfunden aus dem ehemaligen Lagergelände an die Stadt Bocholt.

 

 

 

 

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Eintritt: Regulärer Museumseintritt

Wir Danken allen UnterstützerInnen und Wirkenden. Ein besonderer Dank geht an Josef Niebur, Hermann Oechtering, Marius Lange und Anke Hochgartz.